Wenn Kinder für ihre Eltern zahlen müssen

 

Das Thema worum es hier geht ist äußerst schwierig, aber leider betrifft es uns alle. Das zeigen auch meine Gespräche im Kollegenkreis, wo sich viele wegen des Unterhalts ihrer Eltern Sorgen machen.

Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass Kinder für den Unterhalt und die Pflege ihrer Eltern aufkommen müssen, sofern diese finanziell dazu nicht selbst in der Lage sind.

Was macht das Thema so schwierig? Nun ja, man ist darin irgendwie gefangen. Einerseits will man den Eltern helfen und kann sich als Familien-Mitglied nicht einfach aus der Affäre stehlen. Andererseits hat man selbst finanzielle Verpflichtungen und muss sich um das Wohl seiner eigenen Familie kümmern.

In diesem Beitrag sehe ich mir dieses Thema genauer an, und kläre einerseits welche gesetzlichen Regeln hier gelten und wieviel man zahlen muss.

Ursachen für den finanziellen Engpass

Gründe dafür, warum das Geld im Alter knapp ist gibt es viele.

Nicht wenige ältere Leute bekommen eine sehr kleine Rente, welche kaum zum Leben reicht. Geht es dann um die eigene Pflege, ist das Geld erst recht knapp.

Viele Menschen — egal ob Senior oder Junior — unterschätzen aber auch ihre Altersausgaben und geben während ihrer „fitten“ Jahre deswegen zuviel Geld aus. Man redet sich ein, man sei sehr bescheiden und bräuchte im Alter nicht viel Geld.

Oft wird das Geld dabei nicht für das eigene materielle Wohl verwendet, sondern beispielsweise um anderen Familien-Mitgliedern oder Freunden finanziell unter die Arme zu greifen. Dieses Verhalten ist natürlich löblich, doch wenn dann im Ruhestand das Geld selbst nicht reicht und dafür die Kinder einspringen müssen, muss man es schon kritisch sehen.

Gesetzliche Lage

Was sagt eigentlich das Gesetz? Geregelt wird die sogenannte Elternunterhalts-Pflicht im BGB § 1601. Dort steht:

Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren.

Das bedeutet grundsätzlich, dass Personen, die voneinander abstammen, sich gegenseitig zum Unterhalt verpflichtet sind. Zunächst geht es dabei um die Unterhaltspflicht von Eltern gegenüber ihren Kindern. Das ist der normale Fall, den wir alle kennen.

Immer mehr spielt allerdings der umgekehrte Fall eine Rolle, wo die Kinder ihre Eltern finanziell unterstützen müssen. Müssen die Eltern beispielsweise irgendwann ins Pflegeheim und brauchen eine Rundum-Betreuung, gehen die Kosten schnell in die Höhe.

Vorbereitet sind darauf die wenigsten Familien, und man muss wissen, dass die Pflegeversicherung nur einen Teil der Ausgaben abdeckt. Man muss also in jedem Fall etwas dazuzahlen, besonders wenn es um die stationäre Pflege im Heim geht. Ein Platz im Altersheim liegt im Durchschnitt bei rund 3000 Euro.

Reicht die Rente bei einem Elternteil nicht aus, wird zunächst der Lebens- bzw. Ehepartner zur Unterstützung herangezogen. Nur wenn dann die finanziellen Mittel immer noch nicht ausreichen, kommen die Kinder ins Spiel.

Trotzdem sollte man nicht gleich in Panik verfallen, denn es gelten allerdings gewisse Einschränkungen,  und die Kinder müssen nicht zwangsläufig für ihre Eltern Unterhalt zahlen.

Ob dies der Fall ist hängt von der Lebenssituation und finanziellen Lage der Kinder ab. Hierbei wird das Einkommen berücksichtigt sowie eigene Vermögenswerte, aber auch ob man selbst für Kinder oder einen Ehepartner zu sorgen hat. Alle Faktoren prüft das Sozialamt anhand eines Fragebogens, den man ausfüllen muss.

Die genaue Berechnung und Prüfung der Unterhaltspflicht ist recht kompliziert, und hin und wieder gibt es gesetzliche Änderungen. Sofern man sich darüber Sorgen macht, kann man sich mit seinen Fragen an das zuständige Sozialamt wenden.

Was man tun kann

Ich weiß, es ist ein sensibles Thema, und man verfällt daher schnell in Panik. Wie ich vorhin aber schon sagte ist das meines Erachtens der falsche Weg. Falls Du Dir Sorgen machst, ob Du betroffen sein wirst, würde ich mehrere Dinge tun:

  1. Mit den Eltern die finanzielle Lage checken: Auch wenn die Rende klein ist, gibt es vielleicht doch noch das ein oder andere extra Sparkonto, auf dem sich Geld gesammelt hat, welches man nutzen kann. Zudem sollten auch die Ausgaben betrachtet werden. Laufen vielleicht noch irgendwelche Verträge oder Abos, die man nicht mehr braucht? Solche Einsparungen mögen klein erscheinen, doch sie machen einen Unterschied.
  2. Geschwister einbeziehen: Hat man Geschwister, dann sind diese ebenso zum Unterhalt verpflichtet und werden vom Sozialamt angeschrieben.
  3. Pflegeoptionen prüfen: Das Altersheim ist die teuerste Variante und bei weitem nicht die einzige Option, wenn die Eltern Pflege brauchen. Immer mehr Leute entscheiden sich beispielsweise für eine polnische 24-Stunden-Kraft, welche die Eltern in der eigenen Wohnung betreut.
  4. Rechtliche Unterstützung einholen: In jedem Fall sinnvoll ist die Einschaltung eines Rechtsanwalts. Ist man mit der Entscheidung des Sozialamts nicht einverstanden und sprechen wichtige Gründe gegen die eigene Unterhaltspflicht, kann man Widerspruch einlegen und sich von einem Anwalt beraten lassen.

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