Erste Maßnahmen, wenn die Eltern Pflege brauchen

Bei den einen kommt es ziemlich plötzlich, während in anderen Fällen der Pflegebedarf eher langsam steigt. Es kommt aber die Zeit, wo wir die Pflege unserer Eltern organisieren müssen.

Was gerade am Anfang zu tun ist beschreibe ich im folgenden Beitrag. Dabei fließen auch meine eigenen Erfahrungen mit der Pflege meiner Mutter ein.

Bestandsaufnahme machen

Zu Beginn solltest Du erst mal die aktuelle Lebenssituation der Person(en) genauer betrachten. Es geht darum herauszufinden, wie sich die Person fühlt und bei welchen Tätigkeiten sie Schwierigkeiten hat und daher Unterstützung braucht. Eine solche Betrachtung ist nicht ganz einfach.

Viele ältere Leute überschätzen ihre Fähigkeiten und wollen ungern Aufgaben abgeben. Schließlich fühlen sie sich dadurch ein Stück weit entmündigt und hilfsbedürftig. Das mag niemand und dafür müssen wir Verständnis haben! Trotzdem müssen wir realistisch bleiben und Unterstützungs-Maßnahmen organisieren, wo wir es für sinnvoll erachten.

Folgende Punkte solltest Du bei der Bestandsaufnahme checken:

  • Kochen und Essen
  • Einkaufen
  • Ankleiden / Auskleiden
  • Medikamenteneinnahme
  • Körperhygiene
  • Toilettengänge (insbesondere nachts)
  • Wäsche
  • Putzen
  • Arztbesuche
  • soziale Kontakte (sehr wichtig)
  • Notfall-Kontakte

Unterstützung im Alltag organisieren

Aus der Bestandsaufnahme sollte erkennbar sein, wo die Person Hilfe benötigt. Das können am Anfang einfache Dinge sein wie das Putzen der Wohnung oder das Wäsche waschen. Vielleicht muss aber jemand beim Einkaufen helfen.

Gerade am Anfang braucht man oft keinen Pflegedienst, weil sich viele Aufgaben innerhalb des Bekannten- und Freundeskreises bewältigen lassen. Wer zum Beispiel nicht mehr Auto fährt, den kann der Nachbar einmal die Woche zum Supermarkt mitnehmen. Und wer eine Putzhilfe braucht, findet meist auch schnell eine willige Person, die nach einem Nebenjob gesucht hat. Diese Person kann vielleicht gleich die Wäsche mit erledigen.

Anders sieht es aus, wenn Hilfe bei täglichen Aufgaben wie dem Kochen oder Anziehen benötigt wird. Hier kommen die mobilen Pflegedienste ins Spiel. Sie unterstützen alte Menschen genau bei den Tätigkeiten, die ihnen schwerfallen. Zudem sind sie nicht teuer und man kann feste Zeiten definieren, zu denen der Pflegedienst kommen soll.

Hier einige Beispiele aus dem Leistungskatalog:

  • Hilfe beim An- & Auskleiden
  • Medikamente verabreichen
  • Wäsche waschen
  • Einkaufen
  • Beheizen der Wohnung
  • Begleitung bei Aktivitäten

Das sind nur einige Beispiele für Leistungen, die ich im Leistungskatalog unseres Pflegedienstes gefunden habe. Wie man sieht wird Unterstützung bei fast allem angeboten! Der Vorteil ist, dass die alte Person dadurch zuhause wohnen bleiben kann und nicht gleich ins Altersheim muss.

Meine Erfahrungen mit den Pflegedienste sind sehr positiv. Im Rahmen der Pflege meiner Mutter haben wir anfangs nur eine Leistung genutzt und dann Schritt für Schritt aufgestockt. Die Mitarbeiterinnen waren sehr freundlich und überaus professionell. Natürlich liegen nicht alle Dienste auf gleicher Höhe, darum spricht auch nichts dagegen diese mal zu testen.

Vollmacht

Ein ganz wichtiger Punkt ist die Ausstellung einer Vollmacht. Viele Leute schieben diese Angelegenheit vor sich her. Leider kann es oft schnell gehen, dass man im Namen der Eltern etwas erledigen muss, sei es die Überweisung von Geld oder die Beantragung von Versicherungsleistungen. Dann braucht man eine Vollmacht um keine Zeit zu verlieren.

Es gibt verschiedene Arten von Vollmachten. Für den Alltag ist aber die allgemeine Vollmacht zur Ausübung von Bank- und Gesundheits-Angelegenheiten am wichtigsten. Sie gibt einem die Möglichkeit, im Namen der pflegebedürftigen Person Verträge abzuschließen, über die Finanzen zu verfügen und den offizielle Dokumente zu unterschreiben.

Bei der Bank sollte man persönlich in Begleitung des alten Menschen vorbeischauen. Um eine Kontovollmacht zu erteilen, nutzen Banken meist ihre eigenen Formulare, die man vor Ort ausfüllen muss.

Verträge sichten und Finanzen checken

Ganz wichtig ist das Thema Geld. Mit den Finanzen und Verträgen des Pflegebedürftigen sollte man sich als Angehöriger frühzeitig auseinandersetzen, denn es kann schnell passieren, dass man unterstützen oder den Papierkram selbst erledigen muss.

Ältere Leute verlieren sehr schnell den Überblick über ihren Briefverkehr, über laufende Verträge, Steuern und ihren Finanzstatus. Natürlich geben sie das nicht zu, aber man merkt es, wenn sich die Post stapelt und Rechnungen nicht bezahlt werden.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat die Person eine Vielzahl an Verträgen, allen voran Versicherungs-Verträge. Vielleicht verfügt sie auch über mehrere Bankkonten — das ist bei älteren Menschen ja ein häufiges Phänomen. Hier liegt oft viel Geld „vergraben“, das gerade im Alter sehr willkommen ist.

Nicht ganz einfach hat man es, wenn der ältere Mensch leichtsinnig mit dem Geld umgeht. Mit leichtsinnig meine ich nicht, dass sie damit ins Casino geht. Eher meine ich den Fall, dass übermäßig viel Geld abgehoben und ausgegeben wird und dadurch der Konto-Stand sinkt.

Zwar kann man der Person nicht den Zugang zu ihrem Konto verwehren, selbst wenn sie Alzheimer hat und dadurch nicht mehr klar denken kann. Man kann sich aber absichern, indem man beispielsweise monatlich per Dauerauftrag einen Sparbetrag auf ein anderes Konto überweist, über welches man selbst verfügt. So sammelt sich nebenher etwas Geld an, auf welches man im Ernstfall zurückgreifen kann.

Einstufung Pflegegrad

Um Leistungen aus der Pflegekasse beziehen zu können, ist zunächst eine Einstufung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen — auch MDK genannt — erforderlich. Hier bekommt die alte Person Besuch von einem Sachverständigen, der sich durch Befragung und Beobachtung ein Bild vom Gesundheitszustand der Person macht. Im Nachgang wird ein Gutachten erstellt, welches den jeweiligen Pflegegrad (früher Pflegestufe) festlegt.

Idealerweise wendet man sich anfangs an einen der Pflegedienste in der eigenen Stadt. Dort bekommt man Informationen darüber, was für die Pflegeeinstufung zu tun ist.

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