Alles über Pflegeversicherung, Pflegegeld und mehr

Pflegegeld und Pflegeversicherung

Als ich 2016 das erste Mal für meine Mutter Leistungen aus der Pflegeversicherung organisieren musste, war ich ziemlich überfordert. Zum einen wusste ich nicht, wo ich mich erkunden sollte. Zum anderen haben mich die vielen Begriffe verwirrt – Pflegegeld, Pflegestufe, Verhinderungspflege usw. Überall fand ich Informationen aber es fehlte der Gesamtüberblick.

Meine Sorge damals war:

Weil ich mich nicht auskenne, verschenke ich eventuell Leistungen, auf die man Anspruch hätte.

Mit diesem Artikel möchte ich Dir meine Sorgen ersparen. Du erfährst alles Wichtige über die Leistungen aus der Pflegeversicherung, wieviel Geld man bekommt und welche Stellschrauben existieren.

Wie Du richtig vermutest ist das ganze Thema recht komplex. Darum kann ich hier nur einen Überblick geben und ich beschränke mich auf Pflegeleistungen im Alter.

Über die Pflegeversicherung

Hier geht es um Pflegeversicherung, in welche wir als Angestellte jeden Monat einzahlen. Logischerweise kann nur der Leistungen beziehen, der auch etwas einbezahlt hat. Man muss in den letzten 10 Jahren vor Antragstellung mindestens 2 Jahre einbezahlt haben, um die vollen Leistungen in Anspruch nehmen zu können.

Alle Regelungen zur Pflegeversicherung findet man im 11. Sozialgesetzbuch – abgekürzt SGB XI. Ich erwähne das nur, weil man im Schriftverkehr mit der Kasse immer wieder dieses Kürzel liest.

Wo Du Pflegeleistungen beantragst

Pflegeleistungen, also Geld aus der Pflegeversicherung, bekommt man nicht automatisch ausgezahlt. Zunächst muss man diese erst einmal beantragen. Dazu wendest Du Dich direkt an die Krankenkasse. Wenn Du für eine andere Person den Antrag stellst, brauchst Du natürlich eine Vollmacht.

Nachdem Du die Formulare ausgefüllt hast, heißt es erst einmal warten. Die Krankenkasse wird den Antrag prüfen und dann einen medizinischen Gutachter beauftragen, der die Hilfsbedürftigkeit der versicherten Person einschätzen muss. Dazu bekommt ihr irgendwann einen Anruf und der Gutachter vom MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) macht Euch einen Termin-Vorschlag.

(Wie ein MDK-Termin abläuft erfährst Du hier)

Wenn alles gut geht und der Gutachter feststellt, dass die Person zu Pflegeleistungen berechtigt ist, dann bekommt ihr nach mehreren Wochen das Gutachten von Eurer Krankenkasse. Daß es solange dauert ist natürlich nicht schön, aber ihr bekommt im positiven Fall die Pflegeleistungen bereits ab dem Datum der Antragstellung.

Wovon die Höhe der Pflegeleistungen abhängt

Hierbei spielt sowohl die körperliche als auch die geistig Verfassung der Person eine Rolle.

Grundsätzlich kann man sagen, je schlechter die Verfassung umso höher sind auch die Leistungen. Ist eine Person geistig noch vollkommen fit und hat nur Einschränkungen beim Gehen, dann bekommt sie natürlich weniger Leistungen als eine Person mit Demenz.

Die Einstufung der Pflegebedürftigkeit erfolgt nicht allein über den persönlichen Eindruck des Gutachters, sondern anhand fest definierter Kriterien zum körperlichen und geistigen Zustand, die er über einen Fragenkatalog abprüft.

Als Ergebnis der medizinischen Begutachtung durch den MDK wird der Person ein Pflegegrad zugewiesen, welcher die Pflegebedürftigkeit beschreibt.

Was Du über Pflegegrade und Leistungen wissen musst

Über die sogenannten Pflegegrade wird die Pflegebedürftigkeit einer Person festgelegt. Der Pflegegrad entscheidet über die Höhe der Geld- und Sachleistungen aus der Pflege-Versicherung. Je höher der Pflegegrad, umso höher die Leistungen, die man bekommt.

Das alte Klassifizierungsmodell, welches bis Ende 2016 gültig war, nutzte sogenannte Pflegestufen zur Klassifizierung.

Wieviel man je nach Pflegegrad bekommt zeigt die folgende Tabelle:

 Pflegegeld
(ambulant)
Sachleistung
(ambulant)
Entlastungsbetrag
(ambulant)
Leistungsbetrag
(stationär)
Pflegegrad 1125125
Pflegegrad 2316689125770
Pflegegrad 35451.2981251.262
Pflegegrad 47281.6121251.775
Pflegegrad 59011.9951252.005

(Beträge in € pro Monat)

Was hat es nun mit den Zahlen in der Tabelle auf sich? Und wie kommt man überhaupt an die Geld- und Sachleistung aus der Pflegeversicherung?

Das erkläre ich Dir jetzt hier.

Wird eine Person pflegebedürftig, kann sie zwischen zwei Wegen wählen wie sie Leistungen aus der Pflegeversicherung bezieht. Entweder in Form von Sachleistungen oder als Geldleistung. Was hat es damit auf sich?

Zum einen kann sie einen ambulanten Pflegedienst beauftragen, der beispielsweise beim Ankleiden oder beim Duschen hilft. Das entspräche einer Sachleistung, welche von der Kasse bezahlt wird. Als Beispiel kann die Person mit Pflegegrad 2 Pflegedienst-Leistungen im Wert von maximal 689 Euro beziehen. Was aber wenn dieser Betrag nicht vollständig ausgeschöpft wird? Dann kann die Differenz für zusätzliche Leistungen — sogenannte Entlastungsleistungen verwendet werden (dazu weiter unten mehr).

Anstatt eine Sachleistung (Bsp: ambulanter Pflegedienst) zu beziehen kann man sich auch Pflegegeld direkt auszahlen lassen. In dem Fall bekommt man zum Monatsanfang immer einen festen Betrag aufs Konto überwiesen, und kann damit selbst entscheiden, wie man es ausgibt. Man könnte z.B. eine private Hilfskraft bezahlen, die regelmäßig bei einem vorbeischaut.

Pflegegeld und Sachleistung kombinieren

Oben habe ich Dir erklärt, dass Leistungen entweder als Sachleistung (Bsp. ambulanter Pflegedienst) oder als Geldleistung (Pflegegeld) bezogen werden können. Das ist nicht die ganze Wahrheit. Weil die Pflegeversicherung den Pflegebedürftigen den Freiraum geben will, wie sie die häusliche Pflege organisieren wollen, kann man auch Sach- und Geldleistungen kombinieren. Das wird dann als Kombinationsleistung (oder Kombi-Leistung) bezeichnet.

Ein weiterer Topf ist das Budget für Entlastungsleistungen. Viel ist es nicht, aber immerhin. Es steht allen Personen zu, die zuhause gepflegt werden. Darüber können weitere Haushalts- Pflegeleistungen mitfinanziert werden, welche den Zweck haben, den Pflegebedürftigen und die Pfleger zu entlasten.

Hier einige Beispiele für Leistungen, welche Du über den Entlastungsbetrag (mit-)finanzieren kannst:

  • teilstationäre Tages- und Nachtpflege
  • vorübergehende vollstationäre Kurzzeitpflege (bspw. wenn Angehörige im Urlaub sind)
  • Wohnungsputz
  • zusätzliche ambulante Pflegeleistungen

(Welche Leistungen tatsächlich bezahlt werden erfährst Du bei der Krankenkasse!)

Wichtig: Der Entlastungsbetrag wird nicht in Form von Geld ausbezahlt, sondern nur über die Kostenerstattung. Dafür musst Du natürlich entsprechende Belege bei der Kasse einreichen.

Reicht das Geld aus der Pflegeversicherung?

Wir leben leider nicht in einer idealen Welt, in der unbegrenzt Geld zur Verfügung steht. Du solltest wissen, dass die gesetzliche Pflegeversicherung die Aufgabe, pflegebedürftigen Menschen eine Basisversorgung bereitszustellen,  nicht jedoch eine Rundum-Versorgung und Dauer-Bespaßung, so schön das auch wäre.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Leistungen unter dem liegen, was man sich als Angehöriger für die betreute Person wünscht. Umso wichtiger ist es, dass man etwas Geld für den zukünftigen Pflegebedarf beiseite legt. Andernfalls muss man als Angehöriger unter Umständen selbst Geld zuschießen.

Trotzdem ist die Pflegeversicherung eine gute Sache, weil sie alten Menschen bei der Bewältigung ihres Alltags hilft und eine gute Grundpflege bereitstellt.

Zusammenfassung – das Wichtigste zur Pflegeversicherung und Pflegegeld

Der Artikel ist länger geworden als ich ursprünglich geplant hatte, aber ich wollte Dir eben alle wichtigen Informationen vermitteln. Um es Dir einfacher zu machen habe ich hier nochmals die Hauptpunkte zusammengefasst:

  • Um Pflegeleistungen zu bekommen muss man einen Antrag bei der Pflegekasse (normalerweise der Krankenkasse) stellen. Dazu rufst Du am besten direkt bei der Krankenkasse an.
  • Die Krankenkasse prüft den Antrag und wird einen Gutachter vom MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) damit beauftragen, die Pflegebedürftigkeit im Rahmen eines persönlichen Termins einzuschätzen.
  • Der MDK-Gutachter erstellt eine Beurteilung welche dann im postiven Fall einen Pflegegrad vorschlägt.
    (Ist man mit dem Urteil nicht einverstanden, kann man Widerspruch einlegen.)
  • Der Pflegegrad bestimmt die Höhe der Pflegeleistungen, die man bekommt (siehe Tabelle).
  • Pflegeleistungen kann man entweder als Sachleistung (z.B. ambulanter Pflegedienst) oder als Geldleistung (Pflegegeld) beziehen. Auch die Kombination beider Formen ist möglich (Kombinationsleistung).
  • Über den Entlastungsbetrag (siehe Tabelle) kann man weitere Kosten für Haushalts- und Pflegeleistungen finanzieren.
  • Weitere Informationen zu den Sach- und Geldleistungen und zur Pflegeversicherung ingesamt, erfährst Du bei der Krankenkasse. Einfach anrufen!

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